28.03.2019

von HDE BT

5 Fragen im Interview an eine freie Traurednerin

Wie kommt man zu dem außergewöhnlichen Beruf der freien Traurednerin und Hochzeitssängerin in einem ? Dies und mehr erfahren wir im Interview mit Birte Gäbel von TraumTöne aus Hamburg

heiraten.de: Du bist freie Traurednerin und Hochzeitssängerin in Einem - wie kamst Du zu diesem außergewöhnlichen Beruf?

Birte Gäbel: Da bin ich über Umwege hingekommen, könnte man sagen. Viele kleine Schritte haben mich letztlich zu diesem Traumberuf geführt. Studiert habe ich zunächst Musik auf höheres Lehramt sowie Germanistik und später noch Songwriting und Popularmusik.

Ursprünglich hatte ich dann zusammen mit meiner Schwester Anne-Brit unter dem Namen „It’s a Sisters Act“ 2013 ein musikalisches Hochzeitsduo gegründet und wir haben dann ein paar Jahre lang ca. 40 Trauungen pro Saison musikalisch begleitet mit Gesang und Klavier. Das waren hauptsächlich kirchliche Trauungen und irgendwann wurde uns das ein bisschen langweilig, weil es doch oft sehr gleich war inhaltlich.

Und DANN kam sozusagen der Tag des Anstoßes: Da waren wir nämlich das erste Mal als Musik-Act bei einer freien Trauung dazu gebucht, die eine liebe Kollegin, die ich heute sehr gut kenne, gehalten hat. So haben wir dieses Konzept der freien, weltlichen Trauung kennengelernt und waren total begeistert!

Da hat man plötzlich so viel über das Brautpaar erfahren, es war alles viel persönlicher und individueller. Da für uns ohnehin etwas Neues kommen musste und meine Schwester als studierte Journalistin und Texterin diesen Bereich mehr einbringen wollte, haben wir dann alle unsere Fähigkeiten und Leidenschaften zusammen geworfen und gemeinsam unser persönliches Gesamtkonzept der freien Trauung inklusive Rede, Ritualen und Musik zusammen konzipiert und einen Neustart gewagt.

Und wir merkten, das kam super an! Ab 2016 führten wir dann also immer mehr freie Trauungen durch. In 2017 musste meine Schwester dann gesundheitsbedingt kürzertreten, sodass ich das Business allein weitergeführt habe und dabei merken durfte, dass dieser Job auch solistisch für mich ein Traumjob ist.

Unter dem Namen TraumTöne habe ich daraufhin allein weiter gemacht als Traurednerin, Hochzeitssängerin und Pianistin für freie Trauungen. Inzwischen geht es meiner Schwester auch wieder gut und man kann sie als Sängerin mitbuchen und sie steht mir in Sachen Marketing ganz viel zur Seite. Also wie man sieht, haben mich viele kleine Schritte und Umwege letztlich zu diesem Trau(m)-Job geführt, bei dem ich nun alles zusammenbringen darf, was mir liegt und wofür ich brenne. Diesen Weg hätte ich so aber niemals vorausahnen können!

heiraten.de: Wie findet man einen guten Trauredner bzw. wie lernst Du Deine Paare kennen, wie finden sie zu Dir?

Birte Gäbel: Da muss ich ganz klar sagen: Medium Nr. 1 ist das Internet! Viele Paare finden mich über die klassische Google-Suche und gelangen dann auf meine Homepage Freie Traurednerin in Hamburg

Dort kann man mich dann direkt anschreiben. Das kann ich auch nur allen Paaren empfehlen, auf den Homepages der Trauredner und Hochzeitsrednerinnen zu stöbern, denn jede/r präsentiert sich dort mit seiner/ihrer Persönlichkeit und seinem Portfolio. 

Ich selbst habe z.B. viele Videos mit Fotoshows und Einblicken in vergangene Hochzeiten, Hörproben und Interview-Sequenzen sowie einen Blog auf meiner Website, sodass die Paare schon mal im Internet schauen können, ob ihnen gefällt, was sie dort sehen. Natürlich ist in dem Zusammenhang Social Media auch ein beliebtes Medium, gerade Facebook und Instagram, dort kann man viel aktuelles Material einstellen und die Brautpaare Anteil nehmen lassen, da bin ich natürlich auch vertreten. 

Eine weitere Möglichkeit sind zudem Hochzeitsmessen, auf denen die Brautpaare direkt mit den Dienstleistern Face-to-Face in Kontakt kommen können. Aus diesem Grunde bevorzuge ich da die kleineren Messeformate, weil diese gerade für die Arbeit als freie Traurednerin etwas persönlicher sind und man sich mehr Zeit für den persönlichen Austausch nehmen kann.

Und zu guter Letzt gibt es natürlich auch immer das altbewährte Medium der Weiterempfehlung. Locations oder andere Dienstleister, mit denen man sich gut versteht, empfehlen natürlich gern und in einem tollen Netzwerk aus lieben Kolleginnen empfehlen wir uns oft gegenseitig. Und häufig bekomme ich Anfragen von Brautpaaren, die erzählen, dass der Freund der Trauzeugin letztes Jahr auf einer Trauung zu Gast war, die ich gehalten habe und die ihm so gut gefallen hat oder ähnliches. So wird man dann über ein bis zwei Ecken an das nächste Brautpaar weiterempfohlen. Genauso funktioniert es ja auch, wenn ich eine neue Hausärztin oder einen neuen Friseur suche.

heiraten.de: Dein "Fahrplan" - was passiert vom ersten Kennenlernen bis zur fertigen Trauung?

Birte Gäbel: Also, nach der ersten Kontaktaufnahme steht erst einmal ein kostenfreies Kennenlerngespräch an, entweder persönlich bei mir in Hamburg oder bei weiterer Entfernung auch gern über Telefon oder Video-Skype. Dieses erste Beschnuppern ist ganz wichtig, denn die berühmte Chemie muss ja stimmen und das merkt man immer recht schnell.

Wenn sich beide Seiten dann für eine Zusammenarbeit entscheiden, schicke ich eine Auftragsbestätigung raus, damit klären wir quasi die Rahmenbedingungen und wissen dann "dieser Tag ist safe, den verbringen wir auf jeden Fall gemeinsam".

Und dann geht es im Hochzeitsjahr auch schon gleich los mit den Vorbereitungen. Ich arbeite da zum Einen mit einem Fragebogen, den jeder Partner gesondert ausfüllt, es ist nämlich immer sehr hilfreich und manchmal auch sehr witzig, an welche Dinge sich welcher der Partner erinnert☺. 

Und dann führen wir natürlich ein persönliches Planungsgespräch: Da sprechen wir die ganze Trauung durch, das Brautpaar erzählt mir noch einmal ganz viel aus der eigenen Geschichte und wir legen alles fest von Liedern über Rituale bis hin zum fertigen Ablauf. 

Für das Brautpaar ist die Vorbereitung dann erst einmal vorbei, für mich beginnt sie dann so richtig. Dann geht es für mich an das Konzipieren und Schreiben der Rede, an das Einbauen in den Ablauf, eventuell an die Kontaktaufnahme zu Trauzeugen oder anderen Beteiligten etc. 

Und direkt vor der Trauung probe ich dann diese wie eine Schauspielerin könnte man sagen mit Rede, Liedern und allem, was dazu gehört, da ich natürlich nicht einfach nur ablesen möchte, sondern frei vortragen will. Dann bereite ich noch eine kleine Hochzeitsmappe mit Urkunde und einem kleinen Geschenk (mehr wird nicht verraten) vor und dann kommt der Tag der Trauung. 

An dem Tag der Hochzeit bin ich immer schon 2 Stunden vorher vor Ort zum Aufbau und Soundcheck und alles in allem ist der Tag der Trauung für mich dann auch nochmal ein voller Arbeitstag. Es fließen also insgesamt ca. 20-30 Arbeitsstunden in jede Trauung von Beginn bis zum Tag selbst. Stunden, die ich von Herzen gern investiere. Nur auf das Tragen meines zum Teil recht schweren Equipments könnte ich gut verzichten;-) Da muss ich mal über eine/n Assistenten/in nachdenken, ein aufblasbares E-Klavier ist ja leider noch nicht auf dem Markt.

heiraten.de: Du schreibst ja jede Hochzeitsrede selbst, planst jede freie Trauung komplett individuell! Woher nimmst Du Deine Inspiration und wie kreierst Du Deinen einzigartigen Stil?

Birte Gäbel: Die Inspiration nehme ich in dem Sinne immer direkt von meinen Brautpaaren. Da ergeben sich dann automatisch ganz unterschiedliche Ausrichtungen, wie die Rede angelegt ist.

Ich hatte z.B. letzte Saison eine Braut, die großer Lyrik-Fan war und mir aus dem Stegreif ganz viele Sprüche über die Liebe von ihren Lieblingsdichtern zitieren konnte. Ihre Herzenssprüche habe ich mir dann geben lassen und habe in der Rede dann jeweils ein Zitat vorangestellt und konnte dann darauf Bezug, was dieses Zitat speziell mit der Geschichte des Brautpaares zu tun hat.

Das hat natürlich toll zu diesem Paar gepasst. Bei einem anderen Paar wiederum gibt es vielleicht ein Hobby, das man als Aufhänger nehmen kann. Bei anderen Paaren reiht sich wiederum im Gespräch schon eine lustige Anekdote an die andere, da kann es dann sehr humorvoll zugehen und man hat diese witzigen Geschichten als Eckpunkte.

Also ja, es ist wirklich ganz unterschiedlich und jedes Paar bietet da Inspirationsmöglichkeiten. Oft habe ich natürlich Paare, die sehr musikaffin sind, das ist natürlich meinem Konzept der Trauung mit Rede und Musik geschuldet. So habe ich häufig Paare, denen Musik ganz wichtig ist, dann kann ich deren Lieblingssong als Aufhänger nehmen.

Und da wären wir im Prinzip schon bei meinem Stil, wenn man so sagen will. Denn natürlich spielt die Musik immer eine große Rolle. Als Singer-Songwriterin komponiere ich natürlich auch speziell Lieder zum Thema Hochzeit oder Klavierlieder zum Einzug oder zum Ringwechsel, das gibt es so dann natürlich nur in meinen Trauungen zu hören. Da freue ich mich jedes Mal und es ist natürlich eine ganz besondere Ehre, wenn sich die Paare eins meiner Lieder in ihrer Trauung wünschen.

Ansonsten bin ich als Typ recht geradeaus, liebe einen ironisch-norddeutschen Humor, den ich auch gern in die Trauungen einfließen lasse und finde es aber ebenso wichtig, die Tiefe und Emotionalität des Moments zu transportieren. Jemand sagte mal, ich hätte einen norddeutschen Humor mit Tiefgang, das fand ich sehr schön beschrieben.

heiraten.de: Hand aufs Herz - was war Dein allerschönstes Erlebnis, das Du als freie Traurednerin hattest?

Birte Gäbel: Da muss ich ganz typisch antworten: Den einen schönsten Moment gibt es nicht! Zum Glück ist jede Trauung so individuell und anders, dass jede für sich irgendein Highlight beinhaltet.

Es gibt für mich aber zwei Arten von Gefühlen oder Emotionen, die ich immer wieder erfahre bei den freien Trauungen, die diesen Job für mich so toll machen und immer wiederkehrende Highlights sind. Das ist zum einen dieser Moment nach der Trauung, wenn ganz häufig das Brautpaar, Familienangehörige oder Freunde auf mich zukommen und mir mit so einem Strahlen im Gesicht versichern, wie schön sie die Trauung fanden und so darf ich dann diese ehrliche Dankbarkeit und Begeisterung spüren für das, was wir gemeinsam gerade erschaffen haben.

Und diese Anerkennung zu erhalten für das, wofür man arbeitet, ist etwas, was vielen hart arbeitenden Menschen in ihrem Job leider versagt bleibt, was sehr traurig ist. Dass ich so viel schöne Rückmeldungen und Emotionen für meine Arbeit als Hochzeitsrednerin bekomme, ist also ein großes Highlight dieses Jobs!

Und das zweite ist so eine Emotionswelle der Dankbarkeit und Demut, die mich manchmal zu Beginn einer Trauung überrollt.

Neulich z.B. hatte ich eine fantastische Trauung auf dem Schlossplatz von Schloss Herrenhausen in Hannover mit Blick auf den großen Garten. Das Setting war schon einmal atemberaubend und als dann die Braut mit ihrem Papa den roten Teppich entlangkam, da überrollte mich diese Welle mal wieder.

Diese Dankbarkeit, dass ich dies meinen Beruf nennen darf, dass ich in diesem Moment genau dort sein darf zusammen mit 100 Menschen und dem Brautpaar und dazu beitragen kann, dass wir gemeinsam einen Moment schaffen, der zu einem der bedeutendsten und nachhaltigsten im Leben des Brautpaares werden soll - ein Moment, der bleiben wird in der Erinnerung. Das ist schon etwas ganz Großes und dafür bin ich wahnsinnig dankbar.